Vom Entwicklungsprojekt zur niedersächsisch-tansanischen Projektpartnerschaft

Ralf Pohle

Ralf Pohle arbeitete von 1994 bis 1998 als Entwicklungshelfer des DED im Erosionsschutzvorhaben GTZ-SECAP in Tansania, einem der damals noch raren Kooperationsvorhaben beider Einrichtungen. Der Agraringenieur, Fachmann für Agrarvermarktung, beriet gemeinsam mit fünf tansanischen Kollegen kleinbäuerliche Betriebe in Lushoto in den Usambarabergen im Nordosten des Landes. Neben Produktions-und Anbauberatung mit Fokus auf nachhaltige Landbewirtschaftung stand der Aufbau von Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen und die Organisationsentwicklung im Vordergrund.
 

Malindi Farmer Group mit Produkten für die Vermarktung nach Dar-es-Salaam.
Malindi Farmer Group mit Produkten für die Vermarktung nach Dar-es-Salaam.

Eine neu gegründete Nichtregierungsorganisation der Usambara-Bauern konnte ab 1996 Gastronomiekunden in der ostafrikanischen Metropole Dar-es-Salaam mit frischem Obst und Gemüse, Marmelade, Käse, Öl und Nüssen beliefern. „Es ging um eine wirtschaftliche und zuverlässige, kundengerechte Belieferung mit Obst, Gemüse und Verarbeitungsprodukten, die den Qualitäts- und Sortimentsansprüchen u. a. von Fünf-Sterne-Hotels genügen konnten“, so Pohle, „und zwar vor dem Hintergrund der im Projekt vermittelten Erosionsschutzmaßnahmen wie Terrassierung, Bewässerung, Humuswirtschaft und Anbindehaltung der Nutztiere.“ Nach vier Jahren, im Dezember 1998, endete für Ralf Pohle seine Zeit als Entwicklungshelfer.
 

Mitarbeiter und Projektteam am Sortengarten
Mitarbeiter und Projektteam am Sortengarten Lushoto (2012).

„Persönlich habe ich das erste Jahr nach meiner Rückkehr am schwierigsten gefunden. Umzug, Jobsuche, das soziale Gefüge hier wieder aufbauen: 1999 war eine echte Herausforderung, schließlich konnte ich eine Anstellung als Key Account Manager für Bioprodukte in der Lebensmittelbranche finden.“ Von dort wechselte Ralf Pohle 2001 nach Hannover zur Marketinggesellschaft der niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V. Im Rahmen seiner Tätigkeit dort konnte er ab 2010 eine Projektpartnerschaft zwischen dem Land Niedersachsen und der Usambara-Region aufbauen. Er schrieb eine Projektskizze für das Land Niedersachsen und reaktivierte seine Kontakte in Tansania. Den Besuch einer Expertenkommission aus Niedersachsen, die verschiedene Projektansätze in Tansania prüfte, organisierte er ebenfalls. Schließlich fuhr er selbst im Herbst 2010 wieder in die Usambaraberge und stellte erfreut fest, dass die 1996 begonnene kleinbäuerliche Vermarktungsinitiative auch 10 Jahre nach der Projektübergabe an die Tansanier weiterhin Bestand hatte. Die seit den 1980er Jahren angelegten Sortengärten, welche für die Veredelung der Obstbäume so wichtig sind, wurden allerdings vernachlässigt und zum Teil gerodet.
 

Sanierung des Sortengartens in Lushoto (2011)
Sanierung des Sortengartens in Lushoto (2011).

Fortan stand die Sanierung der Sortengärten neben Schulungen für kleinbäuerliche Obstbäuerinnen und -bauern im Mittelpunkt der Projektpartnerschaft Niedersachsens mit dem Landkreis Lushoto. Vor Ort koordiniert Noah Pallangyo, der ehemalige tansanische Counterpart Ralf Pohles, die Erneuerung der Sortengärten. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium und die Niedersächsische Staatskanzlei unterstützen das Projekt. 
 

Obstbauschulung im Sortengarten Lushoto
Obstbauschulung mit Kleinbäuerinnen und -bauern im Sortengarten Lushoto.

Die Projektpartnerschaft trägt im wahrsten Sinne des Wortes Früchte: Sie trägt nicht nur zum Erhalt der ökologischen Grundlagen der Region bei, sondern verbessert auch die ökonomische Situation der Kleinbauern.
 

Weitere Informationen:
 

www.tansania-niedersachsen.de/german/was-uns-verbindet/
  

Artikel "Veilchen, Obst und Erosion":

http://www.mg-niedersachsen.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dokumente/BeratenFoerdern/LUF_41_13_Tanzania_Usambara_Projekt.pdf

 

Fotonachweis: Ralf Pohle


Interview mit Ralf Pohle: "Man trägt ein Stück Mitverantwortung"

Projektauftakt im Sortengarten Mkuzi 2012

Ralf Pohle erzählt in diesem Interview, warum er sich engagiert, welche Rolle seine Zeit als EH dabei spielt und was ihm sein Engagement außerdem noch bringt.
  

Sie finden das Interview als PDF-Dokument in der Gruppe des EH-Netzes (Anmeldung notwendig):
  

https://www.alumniportal-deutschland.org/community/pg/document/22499/view49020.pdf